Wir stellen uns vor

Die Schweizerische Gesellschaft für Alterspsychiatrie und –psychotherapie (SGAP) ist die Fachvereinigung der in der Schweiz tätigen Psychiater/innen und Psychotherapeuten/innen, die sich schwerpunktmässig mit der Prävention, Diagnostik, Therapie und Forschung der alterspsychiatrischen Störungen befassen. Die konfessionell und politisch unabhängige ärztliche Gesellschaft wurde 1991 gegründet.

Aufgaben und Ziele

Der Aufgabenbereich der Alterspsychiatrie und –psychotherapie umfasst die Vorbeugung, Diagnostik, Behandlung, Beratung, Rehabilitation und Forschung bei alterspsychiatrischen Erkrankungen. Zu diesem Zweck organisiert bzw. fördert die SGAP die fachspezifischen Weiter- und Fortbildungen, Kongresse und Konferenzen, Arbeitsgruppen und die Publikationstätigkeit. Die SGAP informiert und sensibilisiert zu alterspsychiatrischen Themen und vertritt das Fach auf nationaler Ebene in den medizinischen Organisationen (Verbindung der Schweizer Ärzte FMH, Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie SGPP) als auch in der Öffentlichkeit. Die SGAP setzt sich ein für den Auf- und Ausbau von konsiliarischen, ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten für psychisch kranke Menschen im höheren Alter. Sie fördert innovative Projekte im Bereich der Alterspsychiatrie und verwandten Disziplinen. Sie ist bestrebt, in der alterspsychiatrischen und –psychotherapeutischen Versorgung die höchstmögliche Qualität zu sichern.

Die SGAP tritt für die Rechte psychisch kranker alter Menschen und derer Angehörige ein und engagiert sich für Bedingungen, in denen diese Menschen nach neuesten Standards und in Würde behandelt werden.

Weiter- und Fortbildung

Die SGAP vertritt das Fachgebiet Alterspsychiatrie und –psychotherapie im Rahmen der SGPP, deren angegliederte Gesellschaft sie ist, und der FMH. Sie nimmt wichtige Funktionen im Rahmen der Weiter- und Fortbildung wahr: Sie ist mitverantwortlich für das Weiterbildungsprogramm „Schwerpunkt Alterspsychiatrie und –psychotherapie“ und organisiert die Prüfungen zum Erlangen des Schwerpunkttitels. Weiter ernennt die SGAP ihre Vertreter an der Delegiertenversammlung der SGPP und bestimmt ihre Delegierte in der Titel- und der Weiterbildungsstättenkommission des Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF).

Forschung

Die SGAP beteiligt sich an Entwicklung, Durchführung und Unterstützung von Forschungsprojekten in Alterspsychiatrie und -psychotherapie.

Statuten

Laden Sie hier die aktuellen Statuten der Schweizerischen Gesellschaft für Alterspsychiatrie und –psychotherapie SGAP herunter.

Geschichte der Alterspsychiatrie als Fachrichtung in der Schweiz

Die Alterspsychiatrie (Psychogeriatrie, Gerontopsychiatrie) entwickelte sich in der Schweiz von einer thematischen Sonderform der allgemeinen Psychiatrie zu einer formal eigenständigen Fachrichtung.

Pionierphase und Lausanner Schule

Die akademischen Wurzeln liegen in der «Lausanner Schule» am Hôpital psychiatrique de Cery (Kanton Waadt). Auf Initiative von Prof. Christian Müller entstand dort 1963 die erste Spezialklinik für Alterspsychiatrie unter der Leitung von Dr. Jean-Louis Villa. Es folgten das erste alterspsychiatrische Ambulatorium (1969), das erste alterspsychiatrische Lehrbuch (Müller & Wertheimer, 1969) sowie die erste Tagesklinik (1972) — alle in Lausanne. In der Nachfolge von Müller und Villa baute Jean Wertheimer (1933–1999) ein universitäres psychogeriatrisches Versorgungsnetz auf. 1989 wurde er zum ersten Professor für Psychogeriatrie in der Schweiz ernannt, womit das Fach seine akademische Verankerung erhielt. Wertheimer organisierte in Lausanne drei WHO/WPA-Konsensuskonferenzen (1996–1998); sein Dienst wurde als WHO-Kollaborationszentrum anerkannt.

Gründung der SGAP und strukturelle und formale Verankerung

1991 gründeten engagierte Fachpersonen die Schweizerische Gesellschaft für Alterspsychiatrie und -psychotherapie (SGAP), deren erster Präsident Jean Wertheimer war. In der Folge entstanden selbstständige Kliniken und Lehrstühle für Alterspsychiatrie in mehreren Kantonen. Die formale berufspolitische Anerkennung erfolgte schrittweise: Der Schwerpunkt «Alterspsychiatrie und -psychotherapie» gilt seit 1. Juli 2006 als psychiatrische Zusatzqualifikation (SIWF/FMH). Seit 2023 führt der ANQ die Alterspsychiatrie als eigenen Kliniktyp in den nationalen Qualitätsmessungen. Seit 1. Januar 2026 verfügt das Fach mit dem ambulanten Tarif TARDOC über eine eigene qualitative Dignität im Bereich Altersmedizin.

Weiterbildung und Mitgliederentwicklung

Die Schwerpunkt-Weiterbildung umfasst zwei Jahre (ein Jahr stationär, ein Jahr ambulant), 60 Theoriestunden, 120 Supervisionsstunden und zwei Abschlussprüfungen. 33 SIWF-anerkannte Weiterbildungsstätten stehen zur Verfügung (Stand 2026). Während bei Einführung des Schwerpunkts Ende 2007 erst 60 Titelträger/innen gezählt wurden, sind es per Mai 2025 bereits 260 (davon 234 noch berufstätig).

Guidelines, Vernetzung und Publikationen

Unter Federführung der SGAP entstanden zahlreiche evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen und Fachbücher zu BPSD, Delir, Altersdepression, Psychosen und Abhängigkeitserkrankungen im Alter (Übersicht in Guidelines und Literatur). National kooperiert die SGAP mit ANQ, BAG, SAMW, Obsan, SGPP, SIWF, FMH und Swiss DRG; international ist sie Kollektivmitglied der EAGP (seit 2013) sowie Partnerin z.B. der DGGPP. In wenigen Jahrzehnten hat sich damit eine in Ausbildung, Qualitätssicherung, Tarifsystem und Leitlinienentwicklung vollständig verankerte Fachrichtung etabliert.

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